«Durch dick und dünn»:
Rettung naht

Dr. Heinrich von Grünigen ist nicht nur eine Radiolegende, sondern auch bekannt für seinen Kampf gegen das Übergewicht. Und das sowohl als Präsident der Schweizerischen Adipositas-Stiftung (SAPS) wie auch als Privatperson. Viel Spass mit der neuen Folge seiner eBalance-Kolumne «Durch dick und dünn»! 

Seit heute Morgen bin ich geimpft. Als mehrfach betroffener Risikogruppen-Angehöriger (zu alt, zu dick, mit Herzinfarkt) habe ich mich bei meiner Hausärztin unter die Nadel gelegt. Es war ein kurzer, schmerzloser Pieks, keine Minute insgesamt, mit ein paar klärenden Informationen, nachdem ich das Formular unterzeichnet hatte, dass man mich aufgeklärt habe.

In genau vier Wochen kommt die zweite Spritze. Aber schon nach 10 Tagen, sagte sie mir, sei ich zu fast 50 Prozent geschützt. Das ist ein gutes Gefühl, darf uns aber nicht zu Leichtsinn im Umgang mit den Hygiene-Vorschriften verführen. Denn noch weiss man zu wenig über die Art und Weise, wie sich die Virus-Mutanten verbreiten und was diese auslösen können.

Ich habe das Gefühl, als wäre ich einer bedrohlichen Umgebung entflohen und hätte mich an einem geschützten Ort in Sicherheit gebracht. Es ist wie Auf- und Ausatmen nach einer Art Verfolgungsjagd. Noch ist es nicht ausgestanden, aber die Gefahr scheint man bändigen zu können. Und dann höre ich am point de presse mit dem Bundespräsidenten meine lieben Kollegen von der Medienzunft, wie sie mit empörtem, vorwurfsvollem Ton wissen wollen, wie denn der Bundesrat dazu komme, sich selber impfen zu lassen, wo er doch keiner Risikogruppe angehöre? Und dies erst noch in aller Heimlichkeit getan habe, als wolle er mit schlechtem Gewissen eine Schandtat verbergen…

Geht es noch? Haben wir keine brennenderen Fragen? Jedes Staatsoberhaupt der Welt hat sich öffentlichkeitswirksam gegen Corona impfen lassen. Zum einen mit Vorbild-Effekt, um den allenfalls noch zögerlichen Bürgern zu zeigen, dass keine gravierenden Nebenwirkungen zu befürchten sind, und zum andern, um selber so rasch wie möglich geschützt zu sein, weil die Funktion, die man innehat, für das ganze Land von Bedeutung ist und nicht mutwillig in Gefahr gebracht werden soll.

Was, wenn die Bundesrät*innen sich NICHT hätten impfen lassen? Die gleiche Presse hätte aufgeheult und dies als Beweis dafür angesehen, dass dem Impfstoff doch nicht zu trauen sei, dass die feigen Beamten zuerst das einfache Volk als Kanonenfutter ins Impf-Experiment schickten, um abzuwarten, ob die Sache wirklich so harmlos sei, wie die Hersteller und die Experten behaupten…

Als Adipositas-Betroffene sind wir quasi ex officio in der Risikogruppe. Wir tun gut daran, uns so rasch wie möglich in Sicherheit zu bringen, wenn nötig mit einem ärztlichen Attest.


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