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«Durch dick & dünn»:
Hochaltrigkeit

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«Durch dick & dünn»:
Hochaltrigkeit


Dr. Heinrich von Grünigen ist nicht nur eine Radiolegende, sondern auch bekannt für seinen Kampf gegen das Übergewicht. Und das sowohl als Präsident der Schweizerischen Adipositas-Stiftung (SAPS) wie auch als Privatperson. Viel Spass mit der neuen Folge seiner eBalance-Kolumne «Durch dick & dünn»!


Ein Begriff, der stutzig macht. Wir haben uns daran gewöhnt, «alt» zu sein und damit der anerkannten Risikogruppe anzugehören, die als „vulnerabel“ gilt, also «verletzlich» ist, wenn es zu einer Ansteckung käme. Aber nun taucht in der öffentlichen Diskussion dieser Begriff auf, der dazu dient, verschiedene Altersklassen zu definieren und zu unterscheiden.

Man hat gelernt, dass Adipositas in fortgeschrittenem Stadium nicht nur verschiedene Begleiterkrankungen begünstigen, sondern zudem die Lebenszeit um Jahre verkürzen kann. Dazu hatte ich vor einiger Zeit eine ganz spezielle Erfahrung gemacht. Im Rahmen eines Meetings unserer Selbsthilfegruppe hatten wir einen Vortrag eines Adipositas-Chirurgen, der eindrücklich die lebensverkürzende Wirkung von Adipositas permagna schilderte. In der Fragerunde wies jemand darauf hin, dass ich als Stiftungspräsident ja nun auch nicht mehr der Jüngste sei… Worauf der Experte sec konterte: „Den Herrn von Grünigen müsst ihr nicht beachten, der sollte statistisch schon lange tot sein.“

Von da an genoss ich jeden neuen Tag mit frischer Lebensfreude als Geschenk eines Schicksals, das es gut mit mir meinte und mich länger am Leben liess, als mir offenbar fachmedizinisch zustand. Das war vor knapp zehn Jahren. Inzwischen kommt am Horizont die Zahl 80 herauf, die mich in zwei Monaten erreichen wird. Damit bin ich dann nicht bloss „alt“, sondern ich überschreite die Schwelle zur Hochaltrigkeit.

Da hilft dann keine beschönigende Sprachregelung mehr wie «Golden Agers» oder «Silberrücken» (zumal die Haare schon längst weg sind). Auch die Bezeichnung «vierter Lebensabschnitt» verschleiert das, was die Natur für uns alte Knacker bereithält, wenn man beim Aufstehen zuerst die verschiedenen Zipperlein in die Schranken weisen muss, ehe man den Tag beginnen kann. Man darf sich nicht wundern, man ist «ziemlich alt» geworden. Und manches, das früher als Belastung empfunden worden wäre, gehört nun zum Alltag: Man lebt damit wie mit einem Paar alter, ausgelatschter Schuhe, die faltig geworden sind, aber sich dem Fuss angepasst haben, sodass sie unvergleichlich bequem geworden sind.

Ich habe beschlossen, solche Begrifflichkeiten zu ignorieren und jeden Tag zu nehmen, wie er kommt. Trotz Corona.

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