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Ist Dinkel wirklich gesünder als Weizen?

Ist Dinkel wirklich gesünder als Weizen?

Ist Dinkel wirklich gesünder als Weizen?


Eine bekömmlichere Alternative gegenüber Weizen, die auch weniger «dickmachen» soll, ist Dinkel – davon sind viele gesundheitsbewusste Menschen überzeugt. Ob das wirklich stimmt, lesen Sie bei eBalance.


«Der Dinkel ist das beste Getreide», schrieb bereits die berühmte Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098 – 1179). «Es ist warm, nährend und kräftigend; und es ist milder als die anderen Getreidearten. Der Dinkel bereitet dem, der ihn isst, rechtes Fleisch und Blut, er macht frohen Sinn und Freud im Gemüt.» Ein wahrer Lobgesang. Aber was ist dran?

eBalance nimmt nach heutigem Wissensstand mal unter die Lupe, was es mit dem gesunden Ruf des Getreides auf sich hat. 


Inhaltsverzeichnis


Dinkel – ein Getreide, das schon die Ägypter kannten 

Die Geschichte des Dinkel geht einige Jahrtausende zurück. Schon im alten Ägypten soll man ihn angebaut haben, später in Asien und schliesslich auch auf europäischen Äckern. In der Landwirtschaft war er wegen seiner robusten und anspruchslosen Beschaffenheit sehr beliebt. Er wurde jedoch schliesslich vom Weizen abgelöst, da dessen Anbau günstiger und daher gewinnbringender war. So verschwand der Dinkel einige Zeit beinahe ganz von der Bildfläche. Seit einigen Jahren feiert er aber sein Comeback und versucht als vermeintlich gesündere Alternative den herkömmlichen Weizen vom Getreidethron zu stossen. 

Dinkel vs. Weizen – Vergleich von Nährwerten und Inhaltsstoffen 

Um herauszufinden, ob das wirklich gerechtfertigt ist, kann ein Vergleich der Nährwerte und Inhaltsstoffe von jeweils Dinkel und Weizen helfen. Dabei stellt man jedoch schnell fest – die beiden Getreidesorten sind sich diesbezüglich sehr ähnlich. sowohl Dinkel- als auch Weizenmehl enthält à 100 Gramm durchschnittlich 350 Kilokalorien, davon sind etwa 60 bis 70 Gramm Kohlenhydrate. Der Gehalt von Vitaminen und Mineralstoffen (z. B. Magnesium) ist bei Dinkel nur minimal höher als bei Weizen, sodass dies ebenfalls nicht entscheidend ins Gewicht fällt. Lediglich beim Eiweissgehalt scheint der Unterschied etwas grösser zu sein. Weizen enthält auf 100 Gramm ca. 10 Gramm Eiweiss, Dinkel hingegen bis zu 15 Gramm. Vergleicht man jedoch die Nährwertangaben von beispielsweise Toastbrot aus Dinkel- und Weizenmehl, so kommt der höhere Proteingehalt in der Praxis kaum zum Tragen. 

Unterschiedliche Proteinzusammensetzung bei Dinkel und Weizen 

Dinkel könnte jedoch für Allergiker die verträglichere Wahl sein. Das legt eine aktuelle Studie der Universität Hohenheim nahe. Dabei fand man heraus, dass sich die Eiweisszusammensetzung bei Weizen und Dinkel je nach Sorte und Anbauort unterscheiden kann. Die Forschenden beobachteten dafür, wie sich verschiedene Weizen- und Dinkelsorten bei der Herstellung von Brot veränderten. Daraus wiederum folgerten sie, dass man die verschiedenen Sorten mit unterschiedlichen Proteinen gezielt einsetzen könnte, etwa für eine bessere Verträglichkeit. Hierfür wurden 22 Proteine im Mehl untersucht, die als Auslöser für eine Weizenallergie, Bäckerasthma oder Weizensensitivität in der Diskussion stehen, und ein Allergieindex für sie erstellt. Im Rahmen der Studie wurden grosse Schwankungen zwischen den allergieverdächtig Proteinen in Weizen und Dinkel festgestellt – teilweise unterschieden sie sich um das 20-fache. Diese Ergebnisse sollen nun in einer Humanstudie weiter untersucht werden. 

Dinkel und Glutenunverträglichkeit 

Aber Achtung, irrtümlicherweise denken viele Menschen, dass Dinkel bei einer Glutenunverträglichkeit die bessere Wahl sein könnte als Weizen. Das stimmt jedoch nicht. Denn durch den höheren Eiweissgehalt erhöht sich auch die Menge an Gluten im Dinkel, weshalb er tatsächlich sogar mehr enthält als Weizen. Daher sollten Menschen, die an einer Zöliakie (Glutenallergie) leiden, auf Dinkel verzichten. 

Pluspunkt: Dinkel lässt sich nachhaltiger anbauen 

Einen echten Pluspunkt im Vergleich zum Weizen hat Dinkel allerdings: die Nachhaltigkeit im Anbau. Denn Dinkel benötigt keinerlei künstlichen Dünger, um zu wachsen, und kann Schädlinge grösstenteils auf natürliche Weise abwehren. Auch soll er weniger mit Schadstoffen belastet sein als Weizen. Denn er ist ein sogenanntes Spelzgetreide. Das bedeutet, er hat eine zusätzliche Hülle um sein Korn und ist dadurch besser vor Umwelteinflüssen geschützt als Weizenkörner. Da man diese Hülle während des Verarbeitungsprozesses allerdings entfernen muss, ist dieser aufwändiger als bei Weizen. Deshalb sind Dinkelprodukte im Vergleich oft etwas teurer. 

Dinkel oder Weizen – das sagt die eBalance-Expertin

Im Ergebnis lässt sich also zunächst festhalten: Einen wesentlichen Unterschied zwischen Weizen und Dinkel gibt es bezüglich Kalorien und Nährstoffen nicht. «Durch den etwas höheren Eiweissanteil im Dinkel steigt der Blutzuckerspiegel ein klein wenig langsamer an, was durchaus ein Vorteil ist. Der Unterschied in den Nährwerten ist allerdings nicht wirklich signifikant und deshalb auch nicht dafür entscheidend, ob eine Ernährungsweise gesund ist oder nicht.» Das bestätigt eBalance-Ernährungsexpertin Nina Kabour.

Dass ein Weizenbrötli also mehr «dickmacht» als die Alternative aus Dinkel, ist nicht richtig.

Worauf bei jedem Mehl zu achten ist

Viel wichtiger als die Frage, ob Dinkel oder Weizen, ist laut eBalance-Ernährungsexpertin Nina Kabour der Ausmahlungsgrad des Mehls. Diesen erkennt man anhand der angegebenen Nummer auf der Verpackung. Am gängigsten sind etwa 405, 550 oder 1050. «Je höher die Zahl, desto höher ist der Gehalt an Nahrungsfasern und wertvollen Nährstoffen», erklärt sie. In der Praxis bedeutet das, ein Mehl mit dem Ausmahlungsgrad 1050 hält länger satt und lässt dabei auch den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen. «Auch ein Weizenmehl kann demnach ein Weizenvollkornmehl sein und wesentlich mehr Nährstoffe enthalten als ein raffiniertes Weizenmehl vom Typ 405», so Nina Kabour. 

Fazit

Dinkel ist eine gute Wahl, wenn man ein wenig Abwechslung in den eigenen Speiseplan bringen möchte. Weizenmehl kann man meist völlig unproblematisch durch Dinkelmehl ersetzen. Geschmacklich ist Dinkel im Vergleich zum Weizen etwas intensiver und aromatischer. Probieren Sie es also einfach aus und entscheiden dann, was Ihnen persönlich mehr zusagt.

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