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«Durch dick & dünn»:
Fett & freundlich

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«Durch dick & dünn»:
Fett & freundlich


Dr. Heinrich von Grünigen ist nicht nur eine Radiolegende, sondern auch bekannt für seinen Kampf gegen das Übergewicht. Und das sowohl als Präsident der Schweizerischen Adipositas-Stiftung (SAPS) wie auch als Privatperson. Viel Spass mit der neuen Folge seiner eBalance-Kolumne «Durch dick & dünn»!


Es sind ganz unterschiedliche Phänomene. Und doch haben sie eine Gemeinsamkeit. Da ist der Furor des Korrektsprech, der über unsere Landschaft fegt und der unter anderem bizarre Rechthaberei-Argumentationen in Sachen Gender-Formeln auslöst… Nun ist er also auch beim Sektor Übergewicht angekommen. Noch nicht so sehr bei den Menschen, denen wird nach wie vor ein gerüttelt Mass an Diskriminierung und Verunglimpfung zugemutet auf ihrem Weg durch die fotogeshoppte Hölle der Schlanken, aber das bevorzugte Objekt von Zensur und Reformulierung ist derzeit die Kinderliteratur.

Bei uns hat es schon den Globi erwischt. Ebenso den Chaschperli und eine ganze Reihe von Märchentexten. Und ganz aktuell wird nun die heile Welt von Entenhausen schönsprachlich umgepflügt: Uns interessiert da vor allem eine Figur, die für die Dicken steht, ein Schwein namens Fridolin Freudenfett. Was für eine geniale Erfindung der Donald-Duck-Übersetzerin Erika Fuchs! Und was machen die Sprachpuristen, um das böse «F-Wort» auszumerzen? Sie taufen das arme Schwein kurzerhand um in Fridolin Freundlich. Glücklich das Land, das keine anderen Probleme hat!

Da lob ich mir Japan. Die Bevölkerungsstruktur bringt es mit sich, dass viele Menschen einsam sind. Abhilfe schaffen neuerdings Knuddelroboter, vor allem für die alternden Bewohner der grossen Städte. Aber es geht noch weiter: Da kann man doch stundenweise leibhaftige Menschen mieten, aber nicht irgendwen (das gibt es ja sonst auch), sondern exklusiv «Dicke», mindestens 100 japanische Kilos schwer, um mit ihnen zu kuscheln, sie zu berühren, Fotos zu machen (neben denen man selber dann dünner wirkt), einkaufen zu gehen, sie zu «verschenken»… und das zu einem relativ günstigen Tarif von umgerechnet 17 Franken pro Stunde!

Das ist eine neuen Form der Wertschätzung voluminöser Zeitgenoss:innen, auch wenn sie natürlich nicht unumstritten bleibt. Sie erinnert mich an eine Aktion des lieben Hermes Phettberg, der sich einst nackt in einer Ausstellung am Boden anketten liess, damit man ihn berühren konnte…

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